Süßstoffe kennt heutzutage vermutlich jeder von uns. Dieser Sammelbegriff umfasst eine Vielzahl an Stoffen, die wir anstelle von herkömmlichem Haushaltszucker in Getränke und Speisen packen, um deren Geschmack und Süßkraft zu beeinflussen. Das heißt: Es gibt nicht nur den einen Süßstoff, sondern ganz viele – sei es Aspartam, welches wir häufig in Light-Getränken wiederfinden, Stevia in der Cola oder auch Zuckeralkohole (Sorbitol, Xylitol, Mannitol) im Kaugummi. Ein Blick auf die Zutatenliste deines aromatisierten Proteinpulvers und du findest mit großer Wahrscheinlichkeit Sucralose oder Acesulfam-K. –  auch das sind bekannte Süßstoffe.

 Diese Thematik  ist wohl eine  der beliebtesten und diffusesten Kontroversen im Bereich der gesunden Ernährung, Diätik und in Fitnesskreisen. Ich werde nun meine Sicht der Dinge versuchen darzustellen , bzw. wie ich es für meine Klienten und mich handhabe.

 

Zur allgemeinen Datenlage lassen sich folgende Punkte festhalten:

 

  1. Kommt es zu einem Insulinausstoß durch Süßstoffe?

 

In diesem Fall beruft man sich auf eine Theorie zur cephalischen Insulinreaktion. Diese Theorie besagt, dass unsere Zunge den süßen Geschmack wahrnimmt und unser Körper daraufhin kleine Mengen an Insulin ausschüttet. Süßstoffe sollen demzufolge zu einer ähnliche Reaktion führen wie Zucker, da sie eben süß schmecken. Weiterhin wird Süßstoff  in der Tiermast erfolgreich verwendet, denn Süßstoff regt den Appetit an und lässt die Tiere  dadurch mehr essen, was wiederum hilfreich für die Mästung ist. Es lässt sich daher nicht von  der Hand weisen, dass es einige Tierexperimente gibt, welche einen potenziellen Effekt aufzeigen, allerdings streiten sich die Experten auf dem Gebiet schon seit Jahrzehnten über dieses Thema. Das Problem bei diesen Untersuchungen ist,  dass es sich in den meisten Fällen um Observationsstudien handelt, bei denen viele Ko-Faktoren zu einer Beeinflussung des Ergebnisses führen können. Wichtig hierbei ist auch,  dass man nicht ohne weiteres von Tierversuchen auf den Menschen schließen sollte.

Es ist durchaus verständlich, dass bei diesem Thema nun Verwirrung herrscht, aber die Frage darauf, ob künstlich hergestellte Süßstoffe nun zu einer Insulinsekretion führen oder nicht, kann grundsätzlich und nach heutigem Wissensstand mit „Nein“ beantwortet werden – was allerdings nicht bedeutet, dass Süßstoffe nicht zu einer höheren Energieaufnahme führen können, wenn man sich unbewusst ernährt.

 

  1. Ist Aspartam wirklich giftig und krebserregend?

 

In einem Bericht der europäischen Lebensmittelbehörde lassen sich ein paar interessante Dinge finden. Halten wir zunächst fest: Aspartam finden wir hauptsächlich in Desserts, Getränken, Süßigkeiten, Kaugummis und anderen Light-Produkten. Es besteht aus zwei Aminosäuren,  nämlich Asparaginsäure und Phenylalanin. Zwei Aminosäuren, die  üblicherweise in  unserer alltäglichen Nahrung, in Fleisch, Fisch und Milch enthalten sind und die wir dementsprechend konsumieren. Das Phenylalanin wurde durch eine Methylgruppe leicht modifiziert, was dem Geschmack dienlich ist.

Aspartam wird, wenn es erst einmal oral aufgenommen wurde, im Darm zu Asparaginsäure und Phenylalanin aufgespalten. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass der Süßstoff, den wir Aspartam nennen, erst gar nicht den systemischen Kreislauf (Blutkreislauf) erreicht. Um das zu verdeutlichen,  erscheint folgender Vergleich plausibel:
Die zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) für Aspartam beträgt 40 mg/kg (das wären z.B. 3600 mg bei mir –  täglich wohl gemerkt!). Zur Ermittlung dieser Grenzmenge verweise ich auf folgende Studie, die das recht praktikabel darstellt.  Um es nochmal zu verdeutlichen, welche Menge von Nöten ist: Eine Dose eines Cola-Getränks enthält ca. 187.5 mg Aspartam. Ich müsste bei einem Körpergewicht von 90kg demzufolge 3600 mg Aspartam aufnehmen, um die Grenze von 40 mg/kg zu erreichen. Das wären dann 18 Dosen, die notwendig wären – und das nicht über Tage, sondern Wochen und Monate.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Gruppe von Menschen, für die Aspartam ein Problem darstellt. Hierbei handelt es sich um Personen, die an Phenylketonurie erkrankt sind. Betroffene Personen weisen eine enzymatische Funktionsstörung bei der Phenylalaninhydroxylase (PAH) auf, was dazu führt, dass die Aminosäure Phenylalanin nicht richtig verstoffwechselt werden kann und sich daher im Körper anreichert.

 

  1. Stevia – ein natürlicher Süßstoff?

 

Es wird aus Stevia rebaudiana Pflanzen (oder vielmehr deren Steviolglycosiden) gewonnen, welche sich in den Blättern befinden. Der Süßstoff wird beispielsweise in Brasilien  schon seit langer Zeit verwendet. Stevia ist – Gramm für Gramm – um ein Vielfaches süßer als Zucker und  enthält so gut wie keine Kalorien. Es besitzt aber einen sehr gewöhnungsbedürftigen Eigengeschmack, der nicht für jedermann ist. Die meisten Untersuchungen am Menschen bescheinigen dem Kraut  wohltuende Effekte, explizit wenn es um das Senken von zu hohem Blutdruck(Hypertonie) geht  Darüber hinaus zeigten Gregersen et al. (2004) dass Stevia in der Lage ist , den Blutzuckerspiegel zu senken, wodurch Stevia insbesondere für Diabetiker in höchstem Maße an Attraktivität gewinnt.
Jedoch lässt sich nach heutigem Kenntnisstand sagen, dass der blutdrucksenkende Effekt von Stevia nicht wirklich erwähnenswert  bzw. nicht signifikant ist.  Selbiges  gilt auch im Falle des Blutzuckers.  Es ist in dem Falle nicht erwähnenswert insofern, als es unrealistisch/unpraktikabel ist, so hohe Mengen davon zu konsumieren, dass daraus ein Benefit/ Nutzen  resultieren würde.

 

  1. Können Süßstoffe eine Auswirkung auf die Darmflora haben?

 

Darmbakterien haben einen viel größeren Einfluss auf unseren Körper und unser Wohlbefinden, als die meisten vielleicht glauben mögen. In den Medien heißt es oft, dass der Verzehr von Süßstoffen einen negativen Einfluss auf die Darmbesiedlung haben würde und Bakterien dahingehend verändert, dass sie in Zusammenhang mit Diabetes Typ 2 gebracht werden. Hier eine Studie zu dem Thema. Anscheinend gibt es Responder und Non-Responder auf Süßstoffe , bzw. deren Effekt auf die Darmflora ist nicht bei jedem Menschen derselbe, so wie sich auch die Darmflora verschiedener Menschen unterscheidet. Weitere Studien sind nötig , um mehr zu erfahren.  Was jedoch festgehalten werden kann,  ist, dass eine Beeinträchtigung des Mikrobioms zu Übergewicht und weiteren Krankheiten beitragen kann. In gesunden Individuen scheinen künstliche und natürliche Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K und Stevia keinen großen Einfluss zu spielen.

 

Fazit:

Es ist überaus wichtig, dass man Süßstoffe stets individuell und im Kontext der Dosierung betrachtet.

Für viele Menschen stellen diese Zuckeraustauschstoffe eine hilfreiche und sinnvolle Alternative dar, welche Gewichtsabnahme und –erhalt unterstützen kann.

In meiner Arbeit richte ich mich unter anderem nach folgendem Prinzip, wenn es um die Ernährung geht: Wenn „optimal“ (Wasser trinken) nicht möglich ist, ist „nicht optimal“ (Süßstoff ohne Kalorien) immer noch besser als „schlecht“ (Zucker inkl. Kalorien). Allerdings enthalten zuckerfreie Softdrinks mehr Zutaten als nur den  reinen Süßstoff, wie z.B. Phosphorsäure oder ggf. Koffein, die abhängig von der Tageszeit eher suboptimaler  sind.  Grundsätzlich ist unterm Strich eine negative Kalorienbilanz nötig, um Fett zu verbrennen. Diese kann mit Süßstoff  natürlich einfacher erreicht werden als mit Zucker. Ohne Süßstoff wäre es natürlich vorzuziehen  denn nicht nur die aufgenommene Kalorienmenge hat einen Einfluss auf diese Bilanz, sondern verschiedenste Faktoren wie Umweltgifte, Hormone oder eben indirekt auch Süßstoff können dafür sorgen, dass dein Stoffwechsel nicht optimal läuft. Dann immer weiter die Kalorien zu senken ist keine Lösung!

Was solltest du aus diesem Artikel mitnehmen?

  • Süßstoffe können – je nach Art – Kalorien (Energie) enthalten, allerdings nimmt man sie oft in sehr geringen Mengen ein, da viele von ihnen eine stärkere Süßkraft haben als Zucker oder weil sie nicht vollwertig resorbiert werden.
  • Nach derzeitigem Kenntnisstand ist es sehr unwahrscheinlich, dass der gemäßigte Verzehr von Süßstoffen zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Komplikationen führt– es sei denn, du leidest an einer genetischen Stoffwechselstörung wie Phenylketonurie.
  • Künstliche Süßstoffe sorgen nicht für eine Insulinausschüttung. Dies wäre gerade für Diabetiker überaus problematisch und sogar gefährlich (falls du mir nicht glaubst, kannst du es sehr einfach selbst testen, indem du dir ein Blutzuckermessgerät besorgst).
  • Der Einfluss von künstlichen Süßstoffen auf die Darmflora ist noch nicht gänzlich geklärt. Es gibt Untersuchungen, die in einigen Individuen eine Auswirkung durch den Verzehr von Saccharin feststellen konnten (bei einer Dosierung der maximal zulässigen Höchstmenge), während andere davon gänzlich unberührt blieben (Non-Responder). Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf andere Süßstoffe (Aspartam, Acesulfam-K, Sucarlose) übertragen.

 Am Ende des Tages spricht im Grunde genommen nichts dagegen, dass du dir mal ein Light-Getränk oder ein mit Süßstoff versetztes Dessert gönnst.

Selbst bei einem täglichen Verzehr (z.B. zur Unterstützung der Gewichtsabnahme in der Diät oder einfach nur,  um Kalorien einzusparen) wirst du wohl kaum an (oder über) den festgelegten Grenzwert kommen – es sei denn , du legst es bewusst darauf an.

 

In diesem Sinne: Bleib gewissenhaft und übertreib es einfach nicht.